Medienpädagoge Matthias Andrasch stellt die Frage: Befindet sich die Medienpädagogik in der digitalen Krise?

In seinem Blogbeitrag vom 6. Oktober hat er seine Gedanken und Fragestellungen zu diesem Thema zusammengetragen:
http://matthias-andrasch.de/2016/der-data-breakthrough-du-und-die-medienpaedagogik-in-der-digitalen-krise-entwurf/

Auszüge aus seinem Entwurf für das Educamp Hattingen:

„Keine Medienpädagogin und kein Medienpädagoge kann dir ernsthaft sagen, was später zu deinem Vorteil oder Nachteil werden könnte…“

„Jedes Infomaterial über Facebook, Google oder Co. kann binnen weniger Stunden überholt sein. Jede Datenschutzänderung bei Whatsapp kann binnen 24 Stunden alles über den Haufen werfen, was gestern noch gültig war. Jede neue App oder jedes neue Update eines Online-Dienstes kann das Spiel komplett auf den Kopf stellen…“

„Es drängen sich folgende Fragen auf:

  1. Wie kann eine Handlungsempfehlung in solch einer komplexen Umgebung aussehen, in welcher Konsequenzen in den meisten Fällen nicht kalkulierbar sind? Können überhaupt noch ernsthaft und mit gutem Gewissen Handlungsempfehlungen gegeben werden?

    Daran anschließend:

  2. Ist binäres Denken noch zielführend? Braucht es andere Denkweisen, die außerhalb von „gut und böse“, „Potenzialen und Risiken“, „gefährlich oder harmlos“, “vorteilhaft oder nachteilbehaftet“ operieren in der Medienpädagogik? (In diesem Muster  habe ich übrigens fast jede meiner wissenschaftlichen Hausarbeiten zu solchen Themen geschrieben).
  3. Was bringt kritisches Hinterfragen, wenn selbst die vermeintlichen Expert*innen ebenfalls zwischen den Extremen Technikenthusiasmus und Technikangst hin- und hertaumeln?
  4. Kurz gefragt: Sind die Modelle der Medienkompetenz wirklich noch zeitgemäß?
  5. Ist die kritische Dekonstruktion bzw. das kritische Hinterfragen von Online-Diensten, Geschäftsmodellen oder Algorithmen für das Individuum überhaupt noch vollumfänglich möglich, um eine Entscheidungsgrundlage zu haben?
  6. Sollten Medienpädagog*innen noch als allwissende Expert*innen auftreten oder sich bewusst von dieser Anspruchshaltung distanzieren? Sind sie eher Struktur-Expert*innen, die mediale Phänomene interdisziplinär diskutieren können, kritische Fragen aufwerfen und educated guesses über Geschäftsmodelle anstellen können? Oder sind sie etwas ganz anderes im Jahr 2016 und in der Zukunft?
  7. Verweigern wir auf Grund kleiner Gruppen Zugang zu kollaborativen und kreativen Werkzeugen wie z.B. dem Dienst Google Docs, so wie es Philippe Wampfler für die Schweiz diagnostiziert hat? Ist Datenschutz an Schulen oder Hochschulen Symbolpolitik, wenn auf dem Smartphone und überall sonst massig Daten erhoben und genutzt werden?
  8. Sollten Medienpädagoginnen und Medienpädagogen mehr Fragen stellen, als Antworten geben – so wie es Anselm Sellen erst kürzlich im Kontext der Politischen Bildung und Webvideos vorgeschlagen hat?…“

Spannende Fragen, die auch auf dem GEcamp16 diskutiert werden könnten!

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